Die Uni brennt in Österreich

02.11.2009 | By Franziskus Lupus | Category: Studentenprotest, Top Stories, Österreich
Audimax (Foto: Martin Juen)

Studentenprotest in Österreich (Foto: Martin Juen)

Die Proteste der Studentinnen und Studenten haben sich flächendeckend in ganz Österreich ausgebreitet. Zwischen 2000 und 5000 von ihnen protestierten am Donnerstag in Graz. In Innsbruck waren es 600, in Klagenfurt protestierten 400 Studierende und in Linz halten 20 Studentinnen und Studenten einen Hörsaal besetzt.
Neben Solidaritätsbekundungen des ÖGB und des Landtages des Burgenlandes hat auch Kanzler Werner Faymann Verständnis für die Forderungen der Protestierenden bekundet und fordert den noch amtierenden Wissenschaftsminister Johannes Hahn auf, schnellstens eine Basis für Gespräche zu finden. Hauptsächlich geht es den Studierenden um mehr Geld und die bessere Ausstattung für die Universitäten. Bedenkt man, dass in Wien ein Professor ca. 300 Studenten zu betreuen hat, so ist die Forderung völlig gerechtfertigt. Auch die Auswirkungen des Bolognaprozesses sorgt für Unmut bei den Studentinnen und Studenten. Die Grundidee der Mobilitätserhöhung durch Vergleichbarkeit ist eine sehr gute, allerdings sei die Umsetzung eine Katastrophe, so die Meinung von Corinna Milborn, Politikwissenschaftlerin und Journalistin beim Nachrichtenmagazin Format. Auch der Einführung von Studiengebühren und Eingangsbeschränkungen steht der Großteil der Plenumsteilnehmerinnen und -nehmer im Audimax in Wien kritisch gegenüber.
Vielen scheinen sogar veblüfft zu sein über das Ausmaß des Protestes, denn so richtig nachvollziehen lässt sich der momentane Protest für Außenstehende nicht. Gut, die Diskussion vor allem über deutsche Studentinnen und Studenten, die die Universitäten in Österreich an den Rand ihrer Kapazitäten bringen, hat der Innsbrucker Uni-Rektor Karl-Heinz Töchterle vor wenigen Wochen angestoßen und seit dem sind die Zustände an den Universitäten wieder in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Gerade in diesem Zusammenhang war erneut von Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen die Rede und dies scheint die Studentinnen und Studenten hellhörig gemacht zu haben. Der Rektor der Kunstuni in Wien hat zur Eskalation sicher seinen Beitrag geleistet, denn die Proteste nahmen dort ihren Ursprung und der Funke ist auf die anderen Wiener Universitäten übergeschwappt. Rektor Schmidt-Wulffen hatte nach den Budgetverhandlungen mit dem Wissenschaftsministerium, den Studentinnen und Studenten erklärt, dass an der Akademie der bildenden Künste, der Bacherlor/Master nicht eingeführt werde. Bei der Durchsicht des unterzeichneten Abkommens stellte sich dann allerdings heraus, dass die Lehramtsstudiengänge sehr wohl umgestellt werden. Dies löste bei den Studierenden große Zweifel an der Glaubwürdigkeit ihres Rektors aus und führte zu einer Demonstration, aus der heraus sich die Besetzung des Audimax ergeben hat. Es bleibt abzuwarten, was die Studentinnen und Studenten an Forderungen letztlich durchsetzen werden können. Die Proteste haben zumindest zu einer gesellschaftlichen Debatte über Bildung und die Ausgestaltung von Hochschulen geführt. Auch wenn nicht alle Verständnis für die Anliegen haben, ist die Unterstützung in der Bevölkerung größer, als zu erwarten war. Es ist auch bemerkenswert, dass es bis dato noch keiner politischen Gruppe gelungen ist aus den Protesten Kapital zu schlagen. Die Diskussionen im Audimax drehen sich häufig um die Frage der Ideologisierung und der Stoßrichtung und zeigen das Spektrum der Bewegung auf, die eben nicht nur von linksradikalen Utopisten geprägt wird, sondern in ihrer Mehrzahl für einen pragmatischen Weg des Machbaren plädiert. Genau dies zeigt sehr deutlich, dass die oft als politisch uninteressierte Jugend ihr eigenes Verständnis von Politik jenseits der Parteiendemokratie hat. Ich hoffe, dass die Studentinnen und Studenten ihren pragmatischen und nicht ideologisierten Widerstand gegen die Hochschulpolitik weiter verfolgen und dies die Situation an den Hochschulen tatsächlich verbessern hilft.

Links:
http://www.unibrennt.at
http://unsereuni.at/wiki/index.php/Main_Page
http://unsereuni.at/wiki/index.php/Protestwelle_AG
http://www.emancipating-education-for-all.org/
http://www.bildungsstreik.net/
http://www.ustream.tv/channel/unsereuni

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